Nach dem Rekordsommer: Gemeinsam die Klimamassnahmen vorantreiben

Medienmitteilung

Nach dem Rekordsommer: Gemeinsam die Klimamassnahmen vorantreiben

Fraktionserklärung – Von Elektromobilität über Negativemissionstechniken bis zu Schwammstadt-Massnahmen: Die GLP zeigt auf, wo Zürich nach diesem historischen Hitze- und Dürresommer dringend nachlegen muss. Es braucht nun kurzfristige Hitzeminderungs- und langfristige Klimamassnahmen.

Wir sind alle betroffen von den Erfahrungen dieses Sommers, der unzählige Rekorde bzgl. Hitze, Trockenheit und Waldbränden gebrochen hat und doch vermutlich nur die sprichwörtliche Spitze des Eisbergs ist. Die letzten Wochen fühlten sich in Zürich tatsächlich in etwa so an wie früher Rom im August. Dass unsere auf über 400m, viel weiter nördlich liegende Stadt inzwischen mit der fast am Mittelmeer gelegenen città eterna konkurrieren kann, ist schon ziemlich verrückt, und man fragt sich, wohin die Reise gehen soll.

 

Dabei blieb uns im Vergleich zu Frankreich, Spanien, Griechenland und jetzt auch England, Deutschland, Belgien und Kroatien das Schlimmste noch erspart – von den gleichzeitig in China, Japan und anderswo zu verzeichnenden kolossalen Überschwemmungen ganz zu schweigen. Dass es sich kaum um singuläre Ausschläge, sondern um die von der Wissenschaft seit langem antizipierten Folgen des Klimawandels handelt, ist kaum mehr zu bezweifeln, und die enormen gesundheitlichen und auch ökonomischen Folgen dieser Extremereignisse beginnen sich erst allmählich abzuzeichnen und auch ins öffentliche Bewusstsein einzutreten.

 

Umso unbegreiflicher ist es, wenn bis vor kurzem auf der rechten Ratsseite aus dem Klimawandel ein Element des Kulturkampfes gemacht wurde, im Einklang mit Vordenker:innen in Amerika, Frankreich, Spanien oder Deutschland. Vor weniger als einem Jahr nannte der 47. US-Präsident den Klimawandel vor der UNO eine Erfindung von Leuten mit bösen Absichten, die auf einem Weg der völligen Zerstörung seien (1). Noch vor diesen Sommerferien mussten wir uns auch in diesem Haus wieder einmal das Wort Klimawahn anhören.

 

Die letzten Wochen haben eindrücklich gezeigt, dass die Zeichen auf Sturm stehen und es höchste Zeit ist zu handeln. Das ist jedoch nur wirkungsvoll möglich, wenn wir alle hier im Rat – unabhängig von sicher weiterbestehenden Differenzen im einzelnen – im Grossen und Ganzen am selben Strick ziehen.
Wir von der GLP rufen daher alle dazu auf, die Grabenkämpfe aufzugeben und gemeinsam unsere tolle Stadt sowohl in der Klimawandelprävention wie bei den ebenso nötigen Anpassungsmassnahmen zügig voranzubringen.

 

Die grossen Weichen werden im Kanton und vor allem beim Bund gestellt. Aber auch wir sollten angesichts der Dringlichkeit der Situation noch entschieden ambitionierter agieren und uns nicht nur auf den gesprochenen Geldern für den Ausbau von thermischen Netzen und Stadtbegrünungsprogrammen ausruhen.

 

Handlungsbedarf besteht aus Sicht der GLP insbesondere bei der Elektromobilität: Dass das rot-grüne Zürich bis heute bei der Implementierung von Ladestationen für E-Autos – vor allem auch in den blauen Zonen – im Vergleich zu anderen Städten hinterherhinkt und daher den Verbleib bei fossil betriebenen Fahrzeugen begünstigt, empfinden wir seit Jahren als skandalös. Eine Überlegung wert wäre auch eine Förderung für kleine und mittlere Betriebe, um diese sofort zu einem Umstieg auf Elektromobilität zu motivieren. Eine wichtige Rolle spielen aus unserer Sicht ebenfalls die Negativemissionstechniken. Hier wäre zu prüfen, ob Zürich neben dem einen Projekt im Werdhölzli nicht zu einer Pilotstadt von einer ganzen Reihe solcher Technologien werden könnte, genannt seien etwa die im letzten Jahr mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichneten Metall-Organischen Gerüstverbindungen (MOF), die es erlauben, CO2 aus der Luft zu binden. (2)

 

Auch sollte KlimUp, das auf eine Motion der GLP zurückgehende Förderprogramm der Stadt Zürich für Start-Ups und NPOs im Umweltsektor, erheblich ausgebaut werden. Die richtige Richtung eingeschlagen wurde bei der Dekarbonisierung der Heizungen, aber auch da muss der vorgezeichnete Weg konsequent weitergegangen werden, genauso wie auch beim stärkeren Ausbau von Solarmodulen, u.a. auch auf Fassaden und denkmalgeschützten Häusern.

 

Selbstverständlich sollen zudem die Massnahmen zur Hitzeminderung intensiviert werden, d.h. mehr Schwammstadt und mehr Baumerhalt, und dort, wo es gesundheitlich erforderlich ist, wie in Altersheimen oder auch in Schulen, müssen unbedingt Klimaanlagen installiert werden können.
Diese kurzfristigen Reaktionsmassnahmen sind wichtig, sollen aber, wie auch Stadtrat Andreas Hauri am Wochenende im Tagesanzeigerinterview gefordert hat (3), nicht von der gewaltigen Aufgabe ablenken, vor der wir alle stehen: Den menschengemachten Klimawandel endlich ernst zu nehmen und langfristige Massnahmen zur Reduktion von CO2-Emissionen umzusetzen.

 

Kurz, es gibt viel zu tun, um die Stadt und ihre Bewohner:innen für die nicht erst in ferner Zukunft weiter zunehmenden Herausforderungen des Klimawandels fit zu machen und insbesondere die vulnerablen Glieder unserer Gesellschaft vor deren schlimmsten Folgen zu schützen.
Packen wir es an, und zwar gemeinsam, über alle Fraktionsgrenzen hinweg – jetzt, und nicht später.

 


 

(1) «a hoax made up by people with evil intentions, and they’re heading down a path of total destruction», https://www.eenews.net/articles/con-scam-hoax-trumps-un-speech-on-climate/

(2) https://www.basf.com/global/en/media/news-releases/2023/10/p-23-327

(3) https://www.tagesanzeiger.ch/zuerich-stadtrat-hauri-denkt-ueber-klimaanlage-nach-551076335894